Gemeinsam LEBEN lernen
Wenn die Bakterien aus dem Biologiebuch lebendig werden
Wie schnell vermehren sich Bakterien? Sind wirklich alle Mikroorganismen gefährlich? Und was hat die Fußball-Weltmeisterschaft mit einem Bakterium zu tun?
Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielt die Klasse 9R bei einem spannenden Besuch an der Hochschule Furtwangen (HFU) in Schwenningen. Für die meisten Schülerinnen und Schüler war es zugleich der erste Besuch an einer Hochschule – und damit auch das erste Mal, dass sie in einem echten Hörsaal Platz nahmen. So gab der Vormittag nicht nur spannende Einblicke in die Mikrobiologie, sondern auch einen Eindruck davon, wie Studieren aussehen kann.
Prof. Dr. Egert nahm die Schülerinnen und Schüler mit auf eine faszinierende Reise in die Welt der Mikrobiologie. Plötzlich wurden die kleinen Lebewesen, die sonst überwiegend nur als Bilder im Biologiebuch auftauchen und sichtbar werden, greifbar. Anschaulich erklärte er unter anderem das exponentielle Wachstum von Bakterien – und warum aus einer einzelnen Zelle innerhalb kurzer Zeit eine riesige Bakterienpopulation entstehen kann. Außerdem erhielten die Jugendlichen interessante Einblicke in Studiengänge und Berufsmöglichkeiten im Bereich der Biowissenschaften.
Besonders spannend wurde es anschließend im Labor. Dort zeigte sich, dass Mikrobiologen nicht nur wissenschaftlich arbeiten, sondern auch jede Menge Humor besitzen. Prof. Dr. Egert zeigte der 9R sein ungewöhnliches Experiment während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026: Mithilfe eines Escherichia-Coli-Bakterien-„Orakels“ sagte er den Ausgang der Spiele der deutschen Nationalmannschaft voraus. Anhand der Verteilung und Dichte der Bakterienkolonien auf einer Petrischale wurden Toranzahl und Spielergebnis „orakelt“ – und tatsächlich lag das Bakterien-Orakel sogar mit der Niederlage gegen Paraguay richtig. Ob Zufall oder wissenschaftlicher Geniestreich? Darüber wurde anschließend lebhaft diskutiert – schlau scheinen die kleinen Organismen jedenfalls zu sein.
Zur Vorbereitung auf den Besuch hatte Prof. Dr. Egert bereits am Vortag mit sogenannten Abklatschplatten Proben von ganz alltäglichen Oberflächen genommen – unter anderem vom Kühlschrank und von einer Toilettenbrille. Das Ergebnis sorgte für erstaunte Gesichter: Auf dem Kühlschrank wuchsen deutlich mehr Keime als auf der Toilette. Die wichtigste Erkenntnis des Vormittags war damit schnell gefunden: Die Toilette ist oft sauberer, als man denkt – und regelmäßiges Händewaschen bleibt trotzdem eine ausgezeichnete Idee.
Der Besuch an der HFU zeigte eindrucksvoll, wie spannend Biologie sein kann, wenn Wissenschaft zum Anfassen wird. Ein herzlicher Dank gilt Prof. Dr. Egert für den abwechslungsreichen und lehrreichen Vormittag.
Text: Stefanie Kelly
Fotos: Alexandra Merten
