Gemeinsam LEBEN lernen
Intensiver Austausch und Bereicherung der politischen Bildung
Im Rahmen des „Tages der freien Schulen“ erhielt unsere Schule im November Besuch von gleich drei (Regional-)Politikern. Ziel der Veranstaltungen war es, den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen Politik aus erster Hand näherzubringen. Zunächst fanden Besuche in einzelnen Klassen statt, bevor eine gemeinsame Plenumsdiskussion in der Aula den Abschluss bildete. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit intensiv, um Fragen zu stellen, eigene Meinungen einzubringen und politische Positionen kritisch zu hinterfragen.
Am 17.11. besuchte Bürgermeister Andreas Braun (CDU) aus Unterkirnach zunächst die Klasse 10R. Einer der Schwerpunkte seines Besuchs lag u.a. auf dem Verständnis politischer Zuständigkeiten und der Auswirkung dieser Aufteilung auf seinen beruflichen Alltag. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern klärte er die Aufgaben von Bundestag, Landtag, Kreistag und Gemeinderat und erklärte anhand konkreter Beispiele – etwa im Bereich Straßenbau oder Bildung – die Entscheidungskompetenzen des Landtags.
Besonders anschaulich wurde Politik, als Herr Braun das Prinzip der Demokratie anhand schulnaher Beispiele erklärte, etwa der Entscheidung über die Angebote des bevorstehenden Wintersporttags. Auch der Umgangston in der Politik wurde kritisch thematisiert. Schülerinnen und Schüler äußerten den Wunsch nach mehr sachlicher Diskussion und weniger gegenseitiger Abwertung. Weitere Diskussionspunkte waren die Notwendigkeit von Kompromissen sowie aktuelle Themen wie die Wehrpflicht.
Ebenfalls am 17.11. war Frank Bonath (FDP), Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg, zu Gast. Er sprach mit den Schülerinnen und Schülern über finanz- und sozialpolitische Fragen. Dabei thematisierte er die aus seiner Sicht problematische Verteilung staatlicher Ausgaben: zu hohe Konsumausgaben stünden zu geringen Investitionen gegenüber. Besonders der Bundeshaushalt mit hohen Zuschüssen zur Rente und steigenden Sozialausgaben stelle Deutschland langfristig vor große Herausforderungen. Bonath betonte, dass Standards kritisch überprüft werden müssten – auch wenn dies politisch unpopulär sei.
In diesem Zusammenhang sprach er über Sozialtransfers, Pflegekosten, Gesundheitsausgaben und die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. Abschließend erläuterte er seinen persönlichen politischen Werdegang und erklärte die Grundidee der sozialen Marktwirtschaft, für die er sich einsetzt: Der Staat solle einen möglichst schlanken Rahmen setzen, innerhalb dessen die Akteure frei handeln können – ergänzt durch soziale Absicherung.
Der Besuch der drei Politiker bot den Schülerinnen und Schülern einen lebendigen und differenzierten Einblick in politische Arbeit, unterschiedliche Positionen und demokratische Entscheidungsprozesse – ein gelungener Beitrag zur politischen Bildung an unserer Schule.
Eine Woche später besuchte am 24.11. Martina Braun (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg, die St. Ursula Schulen. Im Konvent der Schule stellten die Schülerinnen und Schüler Fragen zu Themen, die sie persönlich interessierten. Ein Schwerpunkt lag auf dem öffentlichen Personennahverkehr. Frau Braun betonte, dass bestehende Lücken geschlossen werden müssten, verwies jedoch auch auf die Grenzen des Kosten-Nutzen-Verhältnisses im ländlichen Raum, etwa am Beispiel ihres Heimatortes Linach, wo eine regelmäßige Busanbindung aufgrund der zu geringen Auslastung kaum realisierbar sei.
Offen sprach sie auch über innerparteiliche Herausforderungen und erklärte, dass es in jeder Partei Punkte gebe, die man persönlich kritisch sehe – etwa unterschiedliche Auslegungen von Tierschutzgesetzen. Ein zentrales Thema war zudem die Zukunft der Landwirtschaft. Frau Braun schilderte die Problematik der Wachstumsspirale landwirtschaftlicher Betriebe und sprach sich deutlich für die Förderung familiengeführter Höfe aus, wie sie für Baden-Württemberg typisch sind. Diese Betriebe prägten nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Kulturlandschaft, insbesondere im Schwarzwald, wo immer mehr Höfe aufgegeben würden.
Aktuell intensiv diskutiert werde zudem die Gentechnik in der Landwirtschaft. Frau Braun machte deutlich, dass sie und ihre Partei den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen ablehne, unter anderem wegen Fragen zu Patenten und langfristigen ökologischen Folgen. Abschließend gab sie Einblicke in ihren Arbeitsalltag zwischen Stallarbeit, Terminen im Wahlkreis und Sitzungswochen im Landtag in Stuttgart.
Der Besuch der drei Politiker bot den Schülerinnen und Schülern einen lebendigen und differenzierten Einblick in politische Arbeit, unterschiedliche Positionen und demokratische Entscheidungsprozesse – ein gelungener Beitrag zur politischen Bildung an unserer Schule.
Wir danken Frau Braun, Herrn Braun und Herrn Bonath herzlich für ihren Besuch und den wertvollen Einblick in die politische Arbeit.
Text und Fotos: Stefanie Kelly
