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Gemeinsam LEBEN lernen

Europäische Politik hautnah erleben



Am 12. Dezember 2025 besuchte die Klasse 10R im Rahmen des Programms „regionale Euroscola“ gemeinsam mit ihrem GK Lehrer Christof Stirner und Stefanie Kelly das Europäische Parlament in Straßburg. Während das Euroscola-Programm seit 1990 das Ziel verfolgt, junge Europäer mit der Arbeit des Europäischen Parlaments vertraut zu machen und sie aktiv in politische Debatten einzubeziehen, setzte die regionale Euroscola – die in diesem Jahr bereits zum vierten Mal stattfand – einen zusätzlichen Schwerpunkt: die Begegnung und den Austausch zwischen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften aus den beiden Nachbarregionen Elsass (Frankreich) und Baden-Württemberg. So trafen an diesem Morgen Klassen aus 27 Schulen aufeinander. Im Mittelpunkt standen hierbei neben der Arbeit des Parlaments auch die Stärkung des interkulturellen Bewusstseins für das jeweilige Nachbarland.

Der Tag begann für die Schülerinnen und Schüler früh. Nach der Ankunft am Europäischen Parlament, einem Sicherheitscheck und einem gemeinsamen Frühstück startete das Programm im Plenarsaal. Dort nahmen die Jugendlichen nicht auf der Besuchertribüne Platz, sondern auf den regulären Sitzen der Europaabgeordneten (Bild obere Reihe, links). Sie konnten sich aktiv beteiligen, Wortmeldungen einbringen und über das elektronische Abstimmungssystem zu aktuellen politischen Fragestellungen Stellung beziehen. Da auch Schulen aus dem Elsass teilnahmen, wurden alle Beiträge simultan auf Deutsch, Französisch und Englisch übersetzt.

Nach einem Grußwort von Roberta Metsola, der Präsidentin des Europäischen Parlaments, folgten Ansprachen von Volker Schebesta, Staatssekretär des Landes Baden-Württemberg, der den Jugendlichen interessante Begegnungen diesseits und jenseits des Rheins wünschte, sowie von Nicolas Feld-Grooten, Akademischer Direktor für Bildungswesen. Im Anschluss hatten die Schülerinnen und Schüler eine Stunde lang die Möglichkeit, Fragen an die Quästorin Fabienne Keller zu stellen (Bild unten Mitte). Dabei wurde deutlich, dass Jugendliche aus beiden Ländern sehr ähnliche Themen bewegen: Fragen der Gleichberechtigung, der Schutz der Umwelt – insbesondere im Hinblick auf das Pariser Klimaabkommen und die Reduzierung des CO₂-Ausstoßes – sowie das Tempo gesellschaftlicher und technologischer Modernisierung.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Annette Gerlach (ARTE) und Sven Saekert und die Sitzung wurde im Lifestream übertragen. Besonders bewegend war die Wortmeldung eines französischen Schülers, der den Wert der Demokratie eindrucksvoll auf den Punkt brachte: „Den Wert der Demokratie sieht man daran, dass sich unsere beiden Länder vor achtzig Jahren aktiv bekriegten und Soldaten sich gegenseitig töteten, während wir heute hier gemeinsam sitzen und debattieren.“

Im weiteren Verlauf des Tages nahmen die Schülerinnen und Schüler an einem Innovation Lab zu Menschenrechten und Demokratie teil. Gemeinsam mit Stefan Krauss, dem Leiter der „Human Rights Action Unit“, diskutierten sie aktuelle Herausforderungen für europäische Werte. Dabei wurde auch kritisch hinterfragt, warum die Europäische Union im Nahostkonflikt, insbesondere in der Palästinafrage, nicht anders reagiert habe. Stefan Krauss griff diese kontroverse Diskussion auf und machte deutlich, dass im Europäischen Parlament sehr unterschiedliche Positionen vertreten seien – von Forderungen nach sofortigem Handeln bis hin zu einem abwartenden Ansatz. Als Grund hierfür nannte er unter anderem die unterschiedlichen historischen Beziehungen der EU-Mitgliedstaaten zu Israel.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Kantine des Europäischen Parlaments (Bild obere Reihe Mitte) schlüpften die Schülerinnen und Schüler schließlich selbst in die Rollen von Europaabgeordneten. In einer Simulation parlamentarischer Arbeit mit dem Themenschwerpunkt Rechtsstaatlichkeit erlebten sie, wie politische Entscheidungsprozesse ablaufen. Mehrere Schülerinnen und Schüler der 10R (Maya Krause-Sittnick (Bild obere Reihe, rechts), Matti Lison (leider kein Bild, aber guter Diskussionsbeitrag) und Jonas Duffner (Bild untere Reihe links) hatten im Laufe des Tages die Chance, Redebeiträge einzubringen.

Der Besuch im Europäischen Parlament war für die Klasse 10R ein eindrucksvolles Erlebnis und bot zahlreiche Gelegenheiten, europäische Politik nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch zu erfahren. Ein besonderer Dank gilt Frau Lorenz, die sich für die Teilnahme an dieser Veranstaltung beworben und damit den Grundstein für diesen ereignisreichen und lehrreichen Tag gelegt hat.

Text und Fotos: Christof Stirner und Stefanie Kelly

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