Zum zweiten Mal Trauermetten mit großer öffentlicher Beteiligung

 

Die Inspiration kam von der Baustelle in St. Ursula. Die seit Monaten zu beobachtenden Rückbau-, Umbau- und Aufbaumaßnahmen erzeugten zwischendurch Assoziationen von Zerstörung, aber auch von Wiederaufbau – Erfahrungen, die das biblische Gottesvolk im Blick auf Jerusalem immer wieder thematisiert. „Wie liegt die Stadt so wüst – Baustelle Fastenzeit“ war daher der Titel der beiden Trauermetten in der Karwoche 2018, bei denen die entsprechenden Psalmen im Mittelpunkt der Liturgie standen. Bereits in der Karwoche 2017 hatte unser Kollege Markus Kreutz mit den Kollegen Matthias Eschbach und Axel E. Heil die Trauermetten gestaltet. Am Karfreitag und Karsamstag fanden nun erneut zwei Andachten statt, bei denen liturgischer und künstlerischer Text, Musik und Bildende Kunst in einen Dialog traten.

In den Texten war wiederholt von den zerstörten Städten in Syrien und im Jemen die Rede, wo sich das Schicksal des frühantiken Jerusalems in unseren Tagen wiederholt. Wo ist dabei unsere Verantwortung?, fragten Markus Kreutz und Axel E. Heil. Wie könnten wir durch Verzicht und Fasten an Gottes Willen zum Heil mitwirken? Mithilfe von Texten der Theologin Melanie Kirschstein und des Philosophen Manfred Krüger regte Markus Kreutz zum Nachdenken darüber an, auf wie viel wir in unserem Leben verzichten könnten.

„Wie liegt die Stadt so wüst“ war darüber hinaus der Titel einer Motette von Rudolf Mauersperger (1889 – 1971) zu den Klageliedern des Propheten Jeremia. Sie wurde von einem achtköpfigen Vokalensemble unter der Leitung von Matthias Eschbach vorgetragen. Handwerklich äußerst professionell und mit ergreifendem Ausdruck gestalteten die Sängerinnen und Sänger die fünf Teile der Motette, die aus Anlass der Zerstörung von Mauerspergers Heimatstadt Dresden 1944 entstanden war.

Axel E. Heil erinnerte in seinen Gedanken an die Zerstörung seiner Heimatstadt Pforzheim, deren Ergebnis er als Kind noch erlebt hatte. Seinen Beitrag zu den Trauermetten hatte er „de-konstruiert / re-konstruiert“ benannt und hierfür von der Firma Günter Bau, die an der Schulbaustelle tätig ist, die Bauzäune ausgeliehen. Damit „verhüllte“ er in diesem Jahr den Altarraum, indem er in ständigem Auf- und Abbau mehrere großformatige Gemälde präsentierte. Sie waren ursprünglich für die St. Peter-und-Paul-Kirche in Dürbheim entstanden. Doch die barockisierenden Elemente des Altars, die Säulen und Kerzenständer glichen frappierend den entsprechenden Elementen in der Klosterkirche St. Ursula. Heil verwies auf den thematischen Zusammenhang in der Bedeutung des Namens „Petrus“ (‚Fels, Stein‘) und darauf, dass die Fastenzeit vor Ostern eine gute Gelegenheit sei, den eigenen Glauben zu rekonstruieren.

Die beiden Trauermetten waren so gut besucht, dass am Karfreitag weitere Sitzgelegenheiten in die Klosterkirche gebracht werden mussten. Die St. Ursula-Schulen freuen sich darüber, dass durch die Trauermetten die Klosterkirche erneut prominent in das öffentliche Bewusstsein gerückt wurde.

 

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