Theater-AG spielt "Faust - Ein Experiment"

 

„Darf sich eine Schul-Theater-AG überhaupt an so einen großen Stoff wagen?“, fragte die Lehrerin Mirjam Henrix auf dem Programmblatt und antwortete gleich selbstbewusst: „Darf sie!“ Und so bewiesen die zehn Schülerinnen und Schüler auf der Bühne der St. Ursula-Schulen, dass sie ihren Goethe studiert hatten. Sie machten aus seinem „Faust“ – wie es im Untertitel hieß – „ein Experiment“ und näherten sich ihm an zwei Abenden in einer gut gefüllten Aula mit einer beeindruckenden Teamleistung.

Ganz in schwarz gekleidet und mit nur wenigen, aber gezielt eingesetzten Requisiten umgeben, waren sie ganz auf die Vermittlung des umfangreichen Textes fokussiert, den sie meist mit großer Sicherheit beherrschten. So gelang es ihnen, den Prozess sichtbar zu machen, den sie mit seiner Aneignung offensichtlich vollzogen hatten. Hilfreich war ihnen sicherlich dabei, dass die Regisseurin aus Faust I und II eine Streichfassung erzeugt hatte, die – neben einem stringenten roten Handlungsfaden – auf die aktuellen Bezüge des Klassikers setzte: Gretchentragödie und Me-too-Debatte, Studentengelage in Auerbachs Keller und Alkoholismus-Problem, Wissenschaftsgläubigkeit Wagners und Grenzen des Wissens, Erzeugung des Homunculus und Klonen des Menschen, Machtmissbrauch des Kaisers und Kapitalismuskritik. Am Ende wurde in der kirchlichen Schule das theologische Problem von Fausts Erlösung sogar ein Stück weit beantwortet.

Dabei ging bei aller Tragik der Spaß am darstellenden Spiel nicht verloren. Eindrucksvoll als der Herr: Simon Kreiselmaier, köstlich als Kaiser: Luca Silano, cool und präsent als Valentin: Tim Kordis, psychotisch als Faust: Manuel Gundelsweiler, engagiert als Sorge: Dorothea Trautner, mit dem Schalk im Nacken als Mephisto: Lukas Strobel, mit einer großen Vielseitigkeit und starkem Ausdruck: Lea Großklaus, mit einer unglaublich dichten Gretchen-Szene vor der Marienstatue: Josephin Link und mit einer ergreifenden Gretchen-Darstellung: Leonie Frey. Als Gast war der ehemalige Schüler Christopher Heidebrecht noch einmal dabei und bot mit seinem Mephisto eine reife Leistung.

Der Clou der Inszenierung aber bestand darin, dass die Darsteller ständig ihre Rollen wechselten. So kam es, dass die Dialoge zwischen Faust und Mephisto einmal von zwei Jungen, dann wieder von zwei Mädchen gespielt wurden. Damit das Publikum den Überblick behielt, hatten die Spieler jeweils Schilder mit ihren Rollennamen umhängen. Weitere Mitstreiter waren Luisa Bröde und Sabina Effinger als Souffleurinnen sowie Klaus Hofmaier, Jakob Eschbach, Lukas Hauser, Marius Stern und David Wilks in der Technik. Am Ende bedankte sich das Publikum, das in der Pause von einer Bewirtung der Kursstufe 2 verwöhnt wurde, mit lang anhaltendem Applaus.

 

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