MISEREOR-Hungertuchkünstler im Kunstunterricht

 

Denkwürdige künstlerische Begegnung in der Klosterkirche

 

Zwei Gesichter zeigt das aktuelle MISEREOR-Hungertuch, eines auf vorwiegend grünem, eines auf gelbem Grund. Sie sind sich ähnlich, als wären sie Spiegelbilder voneinander. Es sieht aus, als würden sie sich umarmen, als würden sie sagen: „Ich bin, weil du bist.“

„Ich bin, weil du bist“ – das ist auch Titel des Bildes. Der Künstler Chidi Kwubiri stammt aus Nigeria, wo er 1966 geboren ist. Nach seinem Kunsthochschulstudium in Düsseldorf lebt er als weltweit gefragter Schöpfer von Gemälden und Skulpturen in Pulheim bei Köln. Was er sich mit dem Bild gedacht hat, erläuterte er jetzt in drei Klassen der St. Ursula-Schulen.

Als Partnerschule von MISEREOR kam St. Ursula in den Genuss dieses Besuches. Er wurde von Judith Penkert-Tchitnga, Leiterin des Referats Weltkirche im Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg, vermittelt und von unserem Kollegen Heinrich Schidelko vor Ort organisiert. Weil der Künstler zwar umgangssprachlich deutsch spricht, seinen Vortrag aber in korrekter Sprache halten wollte, begleitete ihn auch noch die Dolmetscherin Samsara Grabs.

„Ich bin, weil du bist“ kann man in verschiedener Weise deuten, erklärte Chidi Kwubiri: Ein Mensch kann von einem Gegenüber die Wertschätzung erfahren, die ihn zu dem machen, der er ist. Ein Mensch ist aber überhaupt nur, weil er von einer Mutter und einem Vater kommt. Und schließlich könnte man auch sagen, dass der Mensch als Geschöpf Gottes nur ist, weil Gott ist.

Das Bild besteht aus zwei Hälften, einer grünen und einer gelben, die zunächst getrennt voneinander entstanden sind. Allerdings gehören die beiden Hälften zwingend zusammen. Die eine Hälfte ist nur, weil die andere ist. Angeregt hat den Künstler die afrikanische Philosophie seiner Heimat. Dort gibt es den Begriff „Ubuntu“, was ‚Menschlichkeit‘, ‚Nächstenliebe‘ oder auch ‚Gemeinsinn‘ bedeutet. Er sei als Mensch Teil eines Ganzen, Teil der Welt. Er möchte auch mit seiner Kunst in Verbindung treten mit der Welt, mit anderen Menschen. „Weil ich nur bin, weil andere Menschen sind, möchte ich die Herzen der Menschen erreichen.“

 

Künstler in der Klosterkirche im Gespräch

Zu einer besonderen Begegnung kam es am Rande des Besuchs von Chidi Kwubiri. Der Künstler Axel E. Heil, der als pensionierter Lehrer von 2015 bis 2017 in der Kursstufe von St. Ursula unterrichtet hat, bereitete gerade seine zweite Installation in der Klosterkirche vor. Bereits in der Karwoche 2017 hatte er mit unseren Kollegen Markus Kreutz und Matthias Eschbach die Trauermetten gestaltet. Am Karfreitag und Karsamstag 2018 sollten erneut zwei Andachten stattfinden, bei denen liturgischer und künstlerischer Text, Musik und Bildende Kunst in einen Dialog traten.

Die Verhüllung des Altars in der Fastenzeit ist eine Praxis, die Heil vom Brauch der mittelalterlichen Hungertücher übernommen hat. Damit trifft er sich mit der seit über 30 Jahren von MISEREOR wieder aufgegriffenen Tradition der Hungertücher. Zur MISEREOR-Fastenaktion 2017 hat Chidi Kwubiri als 21. Hungertuchkünstler sein Hungertuch „Ich bin, weil du bist“ gestaltet.

Kwubiri ließ sich die Installation vor Ort in der Klosterkirche erklären. Er stellte die europäisch-christliche Bildtradition in eine Korrelation zur afrikanischen Kunst und erläuterte, wie er aus seiner traditionellen Anthropologie heraus die europäische Kultur erlebt. Heil bedauerte, dass im Zuge der Globalisierung eine erneute Kolonialisierung durch europäische Werte drohe. Die beiden Künstler waren sich einig, dass es Aufgabe der Kunst ist, die Menschen zum bewussten Gemeinsinn zu bewegen. Letztlich waren sie sich auch darin einig, dass dies der Kunst gelingen könnte.

 

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Weitere Informationen zu Chidi Kwubiri und seinem MISEREOR-Hungertuch unter: https://www.misereor.de/mitmachen/fastenaktion/hungertuch/

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