Bewegendes Gedenken an jüdische Schülerinnen

 

Am 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz weihte die Schulgemeinschaft eine kleine Gedenkplatte ein. Sie ist den ehemaligen Schülerinnen Ruth Bikart (geb. 1921) und Julie Schwarz (geb. 1903) gewidmet, die beide 1942 im KZ Auschwitz ermordet worden sind.

Die beiden Villingerinnen jüdischen Glaubens hatten unsere Schule besucht, wie eine Projektgruppe des Geschichts- und Religionslehrers Heinrich Schidelko während der Projekttage im Sommer 2009 herausgefunden hat. Ihre Dokumentation des Projekts mit dem Titel „Jüdische Schülerinnen an St. Ursula 1919 – 1937“ wurde 2010 mit dem Joseph-Haberer-Preis, dem Geschichtspreis des Oberbürgermeisters der Stadt Villingen-Schwenningen, ausgezeichnet. Die Ergebnisse dieser Arbeit flossen auch in das Projekt „Virtuelle Stolpersteine“.

Es war der Wunsch der Projektgruppe, auf dem Schulhof ein bleibendes Andenken an die beiden Schülerinnen zu schaffen. Dies ist jetzt durch die Gedenkplatte verwirklicht. Sie wurde durch eine Kollekte im Geschichtsunterricht der Klassen von den Schülerinnen und Schülern gespendet und am Fuß der Kastanie, dem Wahrzeichen der Schule, angebracht.

An der Einweihungsfeier am Schulvormittag vor der großen Pause mitten im frisch gefallenen Schnee nahmen die gesamte Schülerschaft und das Kollegium der St. Ursula-Schulen, vom Kloster St. Ursula die Superiorin Sr. M. Roswitha und Sr. M. Siegrun sowie Pater Hermann Fuchs teil; außerdem Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon, der Vorsitzende des Vereins „Pro Stolpersteine“ Friedrich Engelke, der Erforscher der jüdischen Geschichte Villingens Dr. Heinz Lörcher sowie die ehemalige Schülerin und Mitglied der Projektgruppe von 2009 Michaela Schwert.

Von der Familie der Schülerin Ruth Bikart waren aus Frankreich einige Verwandte angereist: deren Nichte Jeannette-Ruth-Sylvia Levy-Bikart mit ihrem Ehemann Patrick Levy, deren Neffe Pierre-Louis Bikart mit seiner Frau Nicole sowie die Großkusine der Geschwister Bikart Yvonne Meyer mit ihrem Gatten Jean-Paul.

Die Feier wurde eröffnet vom „Jungen Chor St. Ursula“ mit einer Vertonung des hebräischen Gebetes „Ose Shalom“. Danach trug Michaela Schwert die Lebensgeschichte von Julie Schwarz vor und legte für sie an der Gedenkplatte eine Rose nieder. Die Rose für Ruth Bikart wurde von Heinrich Schidelko als dem Leiter der Projektgruppe niedergelegt, während Luisa Hebsacker als Mitglied des neuen Teams der „Virtuellen Stolpersteine“ deren Lebensgeschichte vortrug.

Anschließend sprach die Religionslehrerin Frau Kleijn den Psalm 23 auf Deutsch, woran sich dieser von Patrick Levy auf Hebräisch gesungen anschloss. Die Ansprache hielt Pierre-Louis Bikart. Er dankte den Schülerinnen und Schülern für ihren Beitrag zur Erinnerung an die Ermordeten. Die Stadt Villingen-Schwenningen tue sich schwer, für diese Erinnerung Orte zu finden, sagte er. Mit der Gedenkplatte sei der erste Ort geschaffen, an dem der Opfer namentlich gedacht werde. „Zu glauben, dass man mit dem Vergessen leben kann, ist gefährlich. Es gibt uns Hoffnung, dass junge Menschen bereit sind zu lernen und sich zu erinnern. Sie sind ein Beispiel für alle, die noch nicht so weit sind.“

Mit dem Lied „Weiße Fahnen“ des Chores endete die Feier, die für viele Mitglieder der Schulgemeinschaft sehr bewegend war. – Im Vorfeld der Feier hatte eine in Israel lebende Verwandte der Familie Schwarz per Mail einen Gruß an unseren Kollegen Heinrich Schidelko geschickt: „Schade, dass in jenen Zeiten nicht solche Leute wie Ihre Schüler gelebt haben!“

 

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