Web-Seite gegen das Vergessen gestaltet: "Virtuelle Stolpersteine" zu den Häusern der Opfer

 

Darüber hat sogar der SWR landesweit in den Nachrichtensendungen von Radio und Fernsehen berichtet: Johannes Hebsacker und Felix Flaig (beide Kursstufe 2) haben eine Aufsehen erregende Web-Seite gestaltet. Ihr Kunst-Projekt „Virtuelle Stolpersteine“ tritt dem Vergessen jener Villinger Bürger entgegen, die während der Zeit des Nationalsozialismus nur deshalb ermordet wurden, weil sie jüdischen Glaubens waren.

Als der Gemeinderat von Villingen-Schwenningen im Dezember 2013 zum zweiten Mal beschlossen hatte, die „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig auf den Straßen der Stadt nicht zuzulassen, haben die beiden Schüler ihre eigene Kunst-Idee entwickelt. Auf einer eigenen Seite im Internet haben sie Informationen über die jüdischen Familien zusammengestellt. Auf einem Lageplan der Villinger Altstadt sind die kurzen Texte und Bilder den ehemaligen Wohnhäusern zugeordnet, von denen ebenfalls Fotos abgerufen werden können.

In der Nähe dieser Häuser wurden Aufkleber mit QR-Codes angebracht. Jeder Passant kann dann mit seinem Smartphone vor Ort die passenden Informationen aus der Web-Seite abrufen: Welche jüdische Familie hat hier gewohnt? Wie haben die Familienmitglieder ausgesehen? Was ist mit ihnen geschehen?

Die QR-Codes wirken auf diese Weise wie „virtuelle Stolpersteine“, welche die Passanten aufrütteln. Mit der Web-Seite kann man einen richtigen Stadtrundgang gestalten, bei dem an diese dunkle Seite der Stadtgeschichte erinnert wird. Johannes Hebsacker und Felix Flaig erhoffen sich, dass vor allem junge Leute wie sie, für die der Umgang mit dem Smartphone alltäglich ist, sich auf einen solchen Stadtrundgang einlassen.

Auch die St. Ursula-Schulen kommen auf dem virtuellen Rundgang vor. Hier haben Mitte der 1930er-Jahre die Schwestern von St. Ursula ganz selbstverständlich zwei später ermordete jüdische Mädchen unterrichtet. Leider wurden in den letzten Wochen die Aufkleber fast überall von Unbekannten beschädigt oder entfernt. Man muss nach der Meinung der Initiatoren wohl davon ausgehen, dass dies systematisch erfolgt ist, um das Anliegen der Aktion zu behindern. Sobald die beiden Abiturienten Zeit dafür haben, werden sie sich Gedanken machen, wie es mit dem Projekt weitergeht.

Unsere Kollegin Anna-Maria Saurer hat Felix und Johannes bei der Konzeption und der künstlerischen Gestaltung der Web-Seite betreut. Sie konnten beim Verfassen der Texte auf die Ergebnisse eines Geschichts-Projekts unseres Kollegen Heinrich Schidelko zurückgreifen, bei dem unsere ehemaligen Schüler/innen Alexandra Eberhard, Julia Ganter, Michaela Schwert und Fabian Veil „Jüdische Schülerinnen an St. Ursula 1917–1937“ dokumentiert hatten. Für diese Arbeit hatte die Projektgruppe 2010 den Geschichtspreis des Oberbürgermeisters der Stadt Villingen-Schwenningen, den Joseph-Haberer-Preis, erhalten.

Dem Vernehmen nach haben sich mittlerweile sechs Schülerinnen und Schüler bereit erklärt, das Projekt weiterzuführen, wenn die beiden Abiturienten Felix und Johannes die Schule verlassen haben.

 

-> Zur Web-Seite "Virtuelle Stolpersteine Villingen"

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