Unter Hitler und Stalin verfolgte Familie dokumentiert

 

Zwei Schülertandems aus dem Geschichtsunterricht unseres Kollegen Heinrich Schidelko hatten sich in Unterrichtsprojekten mit dem Schicksal der Villinger Familie Boss beschäftigt. Nun wurden Sie von Dr. Anita Auer vom Villinger Franziskanermuseum und Friedrich Engelke vom Verein Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen eingeladen, bei der Eröffnung der Ausstellung „‚Ich kam als Gast in euer Land gereist…‘: Deutsche Hiltlergegner als Opfer des Stalinterrors – Familienschicksale 1933–1956“ den Auftakt zu gestalten.

Die Ausstellung mit eindrucksvollen Roll-ups war seit 2014 bereits in zahlreichen Städten des In- und Auslands zu sehen. Die Transparente zur Villinger Familie Boss waren unter der Anleitung von Heinrich Schidelko entstanden. Emilia Brugger und Sophia Plotzitza sowie Isabel Allgeier (alle Klasse 10 Gb) und Daniel Haas (ehemals 9 Gb) präsentierten ihren Beitrag vor einer unerwartet großen Besuchergruppe bei der Vernissage im Franziskanermuseum.

Die Schülerinnen und der Schüler konnten die Lebensläufe von drei Generationen der Familie Boss aufzeigen, die zeitweise in der Oberen Straße 1 ein Modegeschäft unterhalten hatte (heute ist dort die Pimkie-Filiale untergebracht). Anschaulich berichteten sie von Josef und Bertha Boss, die wegen der Nazi-Schikanen nach Stuttgart gezogen waren, von deren Tochter Edith, die 1917/18 Schülerin in St. Ursula war, und deren Bruder Adolf mit seiner Frau Josephine sowie ihrem Sohn Valentin.

Valentin Boss, der zuletzt in Kanada gelebt und an der Harvard Universität zur russischen Geschichte veröffentlicht hatte, ist im Jahr 2015 verstorben. Sein Leben war geprägt von den Verfolgungen, die seine Eltern erlitten hatten, wie sie zunächst als Kommunisten vor dem Nazi-Terror aus Deutschland fliehen mussten und später als Deutsche zu Opfern des Stalin-Terrors in der Sowjetunion wurden.

Die Berliner Historikerin Dr. Carola Tischler erläuterte in ihrem Eröffnungsvortrag die Zusammenhänge des Schicksals deutscher Kommunisten in der Sowjetunion. Sie berichtete von ihrer Begegnung mit Valentin Boss in Moskau, der erst spät mit ihr zusammen im Archiv in die Akten über seinen im Lager erschossenen Vater Adolf Boss Einblick nahm.

Eine besonders anrührende Begegnung hatten die Schüler/innen bei der Veranstaltung mit Valentin Boss‘ Tochter Sylvia Boss. Sie war mit ihrem Ehemann Myles Armstead und mit ihrer Mutter Helen Boss-Heslopp extra aus Vancouver nach Villingen angereist und gab eine bewegende Stellungnahme zu der Ausstellung ab. Ihr Vater habe sein Leben lang davon gesprochen, „dass er seine Memoiren schreiben will. Aber das ist ein unvollendetes Projekt geblieben.“ Zu einem in der Vernissage gezeigten Portrait von Valentin Boss, wie er durch das offene Fenster seiner Autotür blickt, sagte sie: „Sein Vater hatte nie ein Begräbnis. Er konnte für ihn kein Memorial errichten. Er war in seiner eigenen Geschichte heimatlos. Aber das Bild und diese Ausstellung sind der Anfang eines Memorials für ihn.“

Nach der Veranstaltung kamen die Schüler/innen in einen lebhaften Austausch mit Sylvia und Helen Boss. Letztere hatte Fotoalben ihrer Familie mitgebracht, in denen vor allem Valentin Boss zu sehen war. Sylvia Boss sagte abschließend: „Weil wir Menschen immer nur füreinander leben, ist das Gespräch über unsere Geschichte ein Geschenk. Danke dafür, dass mein Vater und mein Großvater aus Villingen einen Ort in der Geschichte bekommen haben.“

 

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