Theater-AG: anspruchsvoller Einstand unter neuer Leitung

 

Die aktuelle Theater-AG hat die hohe Messlatte aus dem letzten Schuljahr aufgenommen: Unter der Leitung unseres ehemaligen Kollegen Steffen Englert hatte die AG zuletzt den Büchner-Klassiker (und die Abitur-Pflichtlektüre) „Dantons Tod“ auf die Bühne gebracht. Die neue Leiterin, unsere Kollegin Mirjam Henrix, wollte mit den Schüler/innen an den überzeugenden Erfolg anknüpfen. Das ist ihnen mit der Produktion des eigenen Stückes „FremdeSprache oder: Geschichte eines Lebens“ bravourös gelungen.

Ein erlesenes Publikum aus Mitschüler/innen, Eltern, Kolleg/innen und Gästen aus der Öffentlichkeit konnte erleben, wie vier Spielorte in unserer Aula die Handlung des Dramas collage-artig zusammenführten: „Die Fremden“, in provozierendem Blondinen-Outfit dargestellt von Dorothea Trautner, Carina Griggel und Lea Großklaus, waren mitten im Staat angekommen. In der Mitte des Aula-Parketts kommunizierten sie in ihren verschiedenen Situationen mit den immer gleichen, von den Schülerinnen selbst entwickelten Wörtern und Satzfetzen, die keinen Sinn zu ergeben schienen. Dennoch drückten sie nachvollziehbar Freude, Konflikt und – ergreifend – Trauer aus.

Auf der Bühne reagierte der Staat auf die Ankunft der Fremden: Christopher Heidebrecht verkörperte nuanciert den ungeduldigen und angstbesetzten General, der von der Wissenschaftlern eine Analyse und eine Lösung im Umgang mit den Fremden einforderte. Die Wissenschaftler wurden dargestellt von Simon Deubzer, der die Ratlosigkeit des Physikers souverän umsetzte, und Leonie Frey, die mit ihrer Verkörperung der Linguistin eine starke Bühnenpräsenz entwickelte. In ihrer Figur kam am besten der Aspekt des Verstehenwollens zum Ausdruck. Immerhin schien ihr eine erste Diagnose der „FremdenSprache“ zu gelingen. Eine wirkliche Begegnung mit den Fremden sah die Inszenierung allerdings nicht vor und ließ den Zuschauern dadurch viel Raum für eigene Gedanken.

Rechts von der Bühne stellte Josephin Link in einem quasi Ein-Personen-Stück das Alter Ego der Linguistin dar. Es war die Linguistin zu einem späteren Zeitpunkt ihres Lebens: In Abendgarderobe auf einem luxuriösen Sofa sitzend, umgeben von Erinnerungsstücken an ihre Tochter (Foto, Spielzeug, Kinderschuhe) reflektierte sie faszinierend deren allzu kurzen Lebenslauf. Gelegentlich war die Stimme der Tochter (Magdalena Pripušić) aus dem Off zu hören. Die zunächst fremde „Geschichte eines Lebens“ wurde so für das Publikum durch die emotionale Vermittlung zu einer nahe gehenden Geschichte.

Auf der linken Aulaseite rezitierte Rachel Meinicke in mehreren Einblendungen bekannte und weniger bekannte Gedichte von der Klassik bis zur Gegenwart, die sich mit der Sprache an sich sowie mit dem Lebenslauf des Menschen beschäftigten. Sie kommentierte damit jeweils das Geschehen auf den anderen Spielebenen. Weil ihre vorgesehene Partnerin Zsófia Megyeri leider erkrankt war, hatte Rachel kurzfristig auch deren Part übernommen.

Das Stück wurde eingeleitet von einer Art „Vorspiel auf dem Theater“, das durch die Figuren des Mephistopheles (Christopher Heidebrecht) und des „Herrn“ (Simon Deubzer) sowie der Engel (alle anderen Darstellerinnen) an Goethes „Faust“ erinnerte. Eine Schlussszene griff diese Anfangskonstellation wieder auf und rundete das Geschehen ab. In ihr fügten sich auch die Figuren der Wissenschaftlerin als Linguistin und als Mutter in eins. Die „Geschichte eines Lebens“ wurde dadurch noch einmal neu beleuchtet – als Lebensgeschichte, die durch die Begegnung mit den Fremden zu einer ganz besonderen wurde.

Den Besuchern wurde ein anspruchsvoller Programmflyer zur Verfügung gestellt, der zahlreiche anregende Texte und Bilder enthielt. Er erklärte auch, dass dem Stück zum einen die Erzählung „Geschichte deines Lebens“ von Ted Chiang zugrunde lag, zum anderen der Science-Fiction-Film „Arrival“ von Denis Villeneuve, der seinerseits auf der Geschichte von Ted Chiang basiert.

Neben den genannten Akteuren waren aus der Theater-AG außerdem Sabina Effinger und Luisa Bröde als Souffleurinnen und in der Maske aktiv. Marius Stern, Jakob Eschbach, Lukas Hauser, Marvin Amstädter und Felix Schmidt sorgten mit herausfordernden Schaltungen bei Licht und Ton für eine perfekt getimte Technik. Ein besonderer Dank der AG-Leiterin erreichte am Ende der Aufführung die Schüler/innen aus der Kursstufe 2, die in den vergangenen acht Jahren bei zahlreichen Aufführungen beteiligt waren und – wie Christopher Heidebrecht und Simon Deubzer – mehrmals in Hauptrollen geglänzt hatten.

Nach der Aufführung sorgte die Kursstufe 2 für Bewirtung, um die Gelegenheit zu bieten, mit den Akteuren über die Inszenierung ins Gespräch kommen zu können.

 

-> Zur Bildergalerie

NEU

Stühleversteigerung zugunsten der Bernhardshütte

Zahlreiche aktuelle und ehemalige Schüler von St. Ursula kennen sie: die Bernhardshütte auf der Friedrichshöhe bei Unterkirnach. Hüttenaufenthalte von Klassen und Kursen sowie Tage der Orientierung... mehr